
31. Oktober 2003
Prof. Dr. Michael Sievernich SJ (Sd)
2. CV-Lunch in der Villa Bonn
Am 31. Oktober fand in der gediegenen Atmosphäre der Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft in der Villa Bonn im Frankfurter Westend der zweite CV-Lunch in diesem Jahr statt, der auch dieses mal wieder regen Zuspruch von in Frankfurt und Umgebung wohnenden und arbeitenden Cartellbrüdern fand. Für die geistige Nahrung sorgte diesmal Cbr. Prof. Dr. Sievernich, ehemals Rektor der Theologischen Hochschule St. Georgen. Sein Thema lautete: "Verantwortung aus christlicher Inspiration".
Cbr. Sievernich referierte über den Begriff der Verantwortung, welcher für Christen eine besondere Bedeutung habe, da er sich in Europa im Rahmen christlicher Tradition entwickelt habe. In der sich rasch verändernden Gesellschaft dürfe sich Verantwortung aus der christlichen Sicht nicht nur in dem bloßen Bewußtsein der Reichweite eigenen Handelns erschöpfen, sondern sei notwendig mit der Bereitschaft zur Rechenschaft vor einer höheren Instanz verbunden. Dies werde zum einen erschwert durch die wachsende Differenzierung und die Komplexität menschlicher Gesellschaften und die wachsende Reichweite menschlichen Handelns. Zum anderen verlange die wachsende Geschwindigkeit der Veränderung von Lebensverhältnissen die Weiterentwicklung eines Verantwortungsethos.
Verantwortungsethos werde häufig zur Umschreibung eines subjektiven moralischen Standpunktes verwendet, was aber bereits für Max Weber (1864-1920) die Frage nach der Differenzierung zwischen Verantwortungs- und Gesinnungsethik aufgeworfen habe.
Auf der Suche nach der Verantwortungsethik für eine technologisierte Gesellschaft habe auch Hans Jonas dem kathegorischen Imperativ Immanuel Kants den verantwortungsethischen Imperativ entgegengesetzt, welcher lautete: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden".
Vier Momente seien typisch für eine solche Verantwortungsethik: die rechte Gesinnung, von Kant als "guter Wille" bezeichnet, der Erfolgsgedanke, in der jesuanischen Ethik auch als "die guten Früchte" (Mt 7,17) bezeichnet, die Orientierung an sittlichen Normen, etwa den 10 Geboten, und schließlich der responsorische Charakter, da der Entwicklung der Verantwortungsethik aus christlicher Inspiration immer göttliches Handeln vorausging, was auch bereits in der Päambel des Dekalogs deutlich werde.
Am Schluß sei die Verantwortung der Christen in der Verantwortung für das Orientierungswissen zu konkretisieren, was sich auch in den Prinzipien des CV widerspiegele.
Der vollständige Text des Referats ist auf Anfrage bei Cbr. Sievernich zu beziehen.
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